Erläuterungen zur A-fair-Lizenz

 
Inhalt
  1. Informationen als dominantes Handelsgut
  2. Probleme für Autoren
  3. Probleme für Anwender
  4. Fairness als Grundvoraussetzung für einen Lösungsansatz
  5. Die A-fair-Lizenz als mögliche Lösung dieser Probleme
  6. Die A-fair-Lizenz als Weiterentwicklung der GNU General Public Licence und Shareware-Lizenzen

  
1. Informationen als dominantes Handelsgut
Informationen sind die Ware der Zukunft und das zentrale Gut unserer postindustriellen Gesellschaft. Immer mehr Menschen bestreiten ihren Lebensunterhalt mit der Erzeugung, Verarbeitung und Bereitstellung von Informationen aller Art. Ein Mitglied dieser modernen Gesellschaft muss daher nicht nur das gesetzlich manifestierte, sondern auch das moralische Recht haben, von ihm geschaffene und zum Nutzen der Gesellschaft verarbeitete Informationen kommerziell verwerten, also mit ihnen Geld verdienen zu dürfen. Leider ist der wirtschaftliche und rechtliche Umgang mit Informationen mit erheblichen Problemen sowohl für Autoren als auch für Anwender verbunden, soweit ein Autor seine Informationen kommerziell verwerten will. Diese Probleme sollten zunächst in Ansätzen aufgezeigt werden.

  
2. Probleme für Autoren
Zwar haben Gesetzgeber und Unternehmen die juristischen Probleme der Informationsgesellschaft erkannt und Lösungsansätze in Form verschiedener Gesetze (z.B. das deutsche Urheber- bzw. Patent- / Gebrauchmustergesetz) und Lizenzverträge (Verträge zur Regelung von Nutzungsrechten) etabliert.

Doch sind die einschlägigen Gesetze und Verträge durchweg so kompliziert gestaltet und dazu häufig mehrdeutig auszulegen, dass ein Anbieter von Informationen (im folgenden Autor genannt) zunächst in der Regel fürchten muss, dass die von ihm veröffentlichten Informationen verwertet werden, ohne dass er angemessen für seine Leistungen vergütet wird - er fühlt sich dann ausgenutzt. Um dies zu verhindern, sind detaillierte theoretische Kenntnisse auf dem Gebiet des Immaterialgüter- und Vertragsrechts sowie entsprechendes praktisches Geschick nötig.

All dies kann meist nur ein entsprechend spezialisierter Jurist liefern; dessen Beratung ist nicht nur mit erheblichen Kosten verbunden, es ist zum Beratungszeitpunkt auch noch nicht sichergestellt, dass der Autor tatsächlich von der juristischen Beratung profitiert, geschweige denn in welchem Umfang. Der Autor wird so schon vor der Veröffentlichung zum Unternehmer, häufig wider willen; er muss bereits vor der Veröffentlichung in der Lage sein, die Bedeutung seiner Informationen einzuschätzen. Entweder hält er seine Informationen für relativ unbedeutend, investiert wenig in die rechtliche Absicherung und läuft Gefahr, bei großer Bedeutung der Informationen weit unter Wert verkauft zu werden. Oder er ist sich der potentiellen Tragweite seiner Investitionen bewusst, investiert entsprechend und trägt ein hohes unternehmerisches Risiko, dessen mögliche negative Konsequenzen bekannt sind.

Möchte der Autor seine Informationen international verwerten - in der vom Gedanken der Globalisierung geprägten Gesellschaft mittlerweile beinahe der Normalfall - gelangen die obigen Probleme schnell an den Rand der praktischen Unlösbarkeit. Der Umgang mit der auf nationaler Ebene ohnehin schon komplexen Gesetzgebung wird durch diverse internationale Abkommen zum Urheber- und Patentrecht nicht unbedingt vereinfacht, und dem Entwurf von Lizenzverträgen, die internationalen Bedingungen standhalten, hat ein beachtlicher Teil der juristischen Elite ihr Auskommen zu verdanken - häufig auf Kosten "aufstrebender" Autoren.

Ein weiteres Problem unserer Gesellschaft: Ständig haben Menschen tolle Ideen, die die Welt verändern könnten (und es manchmal sogar tun), welche jedoch für bisherige Formen der Veröffentlichung noch nicht ausreichend entwickelt oder ausformuliert sind. Beispiele sind wissenschaftliche Thesen, welche der Autor noch nicht bewiesen hat oder Verfahren, für die es noch keinen praktisch bedeutsamen Anwendungsfall gibt - geschweige denn die praktische Umsetzung auf diesen Anwendungsfall. Folglich war es bisher unüblich, diese bloße Idee zu veröffentlichen. Schliesslich ist die Gefahr groß, dass andere Personen diese weiterentwickeln und die Lorbeeren ernten, während man selber leer ausgeht.

3. Probleme für Anwender
Personen, die von anderen veröffentlichte Informationen für ihre Zwecke nutzen wollen (im folgenden Anwender genannt), haben sich zunächst an die Bedingungen der Autoren zu halten. Diese sind im Normalfall nicht auf die Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten. Entweder der Autor verlangt mehr als der Anwender für gerechtfertigt hält. Häufig willigt er dann in die Vertragsbedingungen des Autoren ein, verstößt aber bewusst dagegen und macht sich im schlimmsten Fall strafbar, z.B. beim Raubkopieren von Software. Dieses (meist unterschätzte) Beispiel ist besonders problematisch: Da der Anwender bei kommerzieller Software unabhängig von der Intensität der Nutzung (also auch unabhängig von seinem eigenen Profit) den vollen Preis bezahlen muss, obwohl er dieses gerade bei geringer Nutzung (Test) für nicht gerechtfertigt hält, hat sich das (nach § 106 Abs. 1 Urhebergesetz strafbare!) Raubkopieren zum Kavaliersdelikt entwickelt. Zum hieraus resultierenden wirtschaftlichen Schaden im Einzelfall kommt der gesellschaftliche Gesamtschaden: Durch das Raubkopieren werden immer mehr Menschen dazu verleitet, Informationen in Form von Software als frei verfügbares Gut zu sehen ("300 DM für eine CD-ROM, das ist einfach zuviel!"). Die Bedeutung von Informationen als Handelsgut der Zukunft wird so nachhaltig gefährdet.

4. Fairness als Grundvoraussetzung für einen Lösungsansatz
Es dürfte deutlich geworden sein, welche Probleme bei der Veröffentlichung von Informationen auf beiden Seiten bestehen: Hohes Risiko und Aufwand auf der Seite der Autoren, keine ausreichende Flexibilität auf Seiten der Anwender. Der Grund auf beiden Seiten ist berechtigtes Misstrauen. Der Autor zieht die Konsequenzen aus der Vergangenheit, wo Ungerechtigkeit den Handel mit Informationen beherrschte (auch hier bietet der Softwaremarkt die besten Beispiele, die hier jedoch nicht genannt zu werden brauchen) - seine Angst, ausgenutzt zu werden, ist ein berechtigtes Motiv für seinen rechtlichen und wirtschaftlichen Schutz. Der Anwender tut nur das, was er für gerecht hält; ein Vermögen für eine Software auszugeben, die er nur sporadisch benutzt, hält er berechtigterweise nicht für gerecht.

Weitgehende Einigkeit dürfte darüber bestehen, dass eine Änderung der bestehenden Gesetze wenig Sinn macht. Nationale Gesetze und auch internationale Vereinbarungen sollen Gerechtigkeit bewahren; damit das geschehen kann, muss zunächst Gerechtigkeit herrschen. Gerechtigkeit geht von der Gesellschaft aus - im normalen Sprachgebrauch hat sich gerade im Geschäftsverkehr der Begriff der Fairness eingebürgert. Ein faires System ist gefragt, also ein System, in dem sich jeder Beteiligte fair verhält.

Der Wunsch nach einem System, in dem sich jeder Beteiligte, also letztendlich die ganze Gesellschaft fair verhält, wurde schon häufig enttäuscht und klingt daher reichlich utopisch. Vielfach wird Fairness als Opfer eines Einzelnen zum Wohl der Gesellschaft angesehen ("Der Ehrliche ist der Dumme."). Die Erkenntnis, dass aus Fairness unter bestimmten Bedingungen Profit resultieren kann, ist der Schlüssel dazu, dass wir glauben, ein faires funktionierendes und zugleich einfaches System gefunden zu haben - die A-fair-Lizenz.

5. Die A-fair-Lizenz als mögliche Lösung dieser Probleme
Der A-fair-Gedanke beruht wie gesagt auf dem Prinzip der Fairness und funktioniert folgendermaßen: Ein Autor stellt seine Informationen (die in jeder möglichen Form vorliegen - Software ist nur eine von vielen Möglichkeiten) unter die A-fair-Lizenz und bietet diese über einen zentralen Dienst (A-fair-Service) an, der den Zugang zu diesen Informationen vermittelt. Diese Informationen stehen jedermann zur freien Verfügung und können beliebig verwertet werden - auch und gerade in kommerzieler Form. Die einzige Bedingung: Fairness, konkret die angemessene (faire) finanzielle Beteiligung des Autors am Profit, den der Anwender aus den Informationen erlangt. Allgemein bedeutet Fairness ausserdem den fairen Umgang miteinander. Damit der Autor sich um nichts kümmern muss (seine einzige Leistung ist die veröffentlichte Information), zahlt der Anwender diese Beteiligung an den A-fair-Service, dem nach dem Fairness-Prinzip ebenfalls eine Beteiligung (Vermittlungsgebühr) zusteht, schließlich verdankt der Anwender ihm den Zugang zu den betreffenden Informationen.

Auf diese Weise sind die obigen Probleme gelöst: Ein Autor kann darauf vertrauen, dass er für die von ihm veröffentlichten Informationen fair bezahlt und nicht ausgenutzt wird. Schließlich erleidet ein Anwender, der den Autor an seinem Profit beteiligt, hierdurch keine Nachteile. Er bezahlt schliesslich nur dann, wenn er selber profitiert hat. Da er zur Vergütung nicht rechtlich verpflichtet ist, erfolgt die Zahlung einer Vergütung freiwillig; er darf sich somit als Förderer der A-fair-Idee und des Fairness-Gedankens fühlen. Jede Zahlung wird außerdem beim betreffenden A-fair-Service veröffentlicht. Sie trägt also nicht nur zum guten Gewissen, sondern auch zum guten Ruf des zahlenden Anwenders bei.

Die A-fair-Lizenz ist bewusst nur im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen juristisch abgesichert. Solange sich alle Beteiligten fair verhalten (Grundvoraussetzung der A-fair-Lizenz), ist das auch nicht notwendig.

Da der Fairness-Gedanke weltweit verbreitet ist und die Informationsgesellschaft von Rechtsstaaten dominiert wird, macht es bei der A-fair-Lizenz prinzipiell keinen Unterschied, ob Informationen national oder international veröffentlicht werden. Die bisherigen juristischen Probleme treten allerhöchstens bei Unfairness einer Seite auf. Hierfür besteht jedoch mit der A-fair-Lizenz kein Anlass mehr.

6. Die A-fair-Lizenz als Weiterentwicklung der GNU General Public Licence und Shareware-Lizenzen
Die Entwickler der GNU-Organisation sahen sich einst mit dem Problem konfrontiert, dass die kommerzielle Verwertung von Software zwangsläufig eine innovationsfeindliche Wirkung hatte, schließlich hatte der Benutzer nicht das Recht, die gekaufte Software weiterzuentwickeln (für Freeware im herkömmlichen Sinne gilt das gleiche). Also wurde das sog. "Copyleft"-Prinzip, niedergeschrieben in der GNU General Public Licence, entwickelt. Hiernach kann jedermann unter der GNU-GPL veröffentlichte Software frei verbreiten und sogar weiterentwickeln, solange er die ursprünglichen Autoren nennt sowie den Weiterentwicklungen den Quelltext beilegt, um so wiederum die Weiterentwicklung zu gewährleisten. Die Weiterentwicklung muss wiederum frei verfügbar sein. Die A-fair-Lizenz hat gewisse Anleihen bei der GNU-GPL, erweitert sie jedoch in den folgenden wichtigen Punkten:
  • Die A-fair-Lizenz gilt nicht bloß für Software, sondern für Informationen aller Art, solange man diese in irgendeiner Form (nicht zwangsläufig elektronisch) veröffentlichen kann.
  • Die A-fair-Lizenz fördert im Gegensatz zur GNU-GPL die kommerzielle Verwertung veröffentlichter Informationen. Es ist möglich und erwünscht, von der A-fair-Lizenz finanziell zu profitieren.

Selbstverständlich hat die A-Netz-Entwicklungsgruppe als Autoren der A-fair-Lizenz von der GNU-GPL im Sinne der A-fair-Lizenz profitiert. Da die A-fair-Lizenz selber unter der A-fair-Lizenz veröffentlicht wird, wird die A-Netz-Entwicklungsgruppe daher die GNU-Organisation über ihren eigenen A-fair-Service fair an ihren Profiten beteiligen.

Ebenfalls profitiert haben wir von einem anderen Vorläufer unserer Idee: der Shareware. Die meisten Shareware-Lizenzbedingungen beinhalten eine Zahlungspflicht des Anwenders, wenn er die Software häufig und gerne benutzt. Diese Zahlung wird häufig über zentrale Dienste abgewickelt, um die Autoren nicht mit geschäftlichen Aufgaben zu belasten. Die Vorteile der A-fair-Lizenz gegenüber herkömmlichen Shareware-Lizenzen:

  • Es besteht keine Zahlungsverpflichtung. Shareware ist im Prinzip kommerzielle Software mit Testmöglichkeit. Wenn die Testphase vorüber ist, gelten wieder die üblichen unflexiblen Regeln. Die A-fair-Lizenz ist flexibler; die Zahlung wird dem Nutzen im konkreten Fall angepasst.
  • Neben der finanziellen Abwicklung bietet ein A-fair-Service durch die Veröffentlichung der Zahlung eine Werbeleistung für den zahlenden Anwender, die für ihn wichtiger sein kann als sein "bloßes" gutes Gewissen.

Neue Ideen können in jedem Stadium der Entwicklung profitabel sein. Der Diebstahl von Informationen ist bei A-fair praktisch ausgeschlossen, weil ja die Nutzung und Verwertung durch Anwender nicht eingeschränkt ist. Die unfaire Nutzung und Verwertung von Informationen ist durch die Öffentlichkeit leicht erkennbar, wenn eine öffentliche Verwertung durch den unfairen Nutzer stattfindet. Dagegen ermutigt und motiviert jeder faire Anwender Autoren zu weiteren Veröffentlichungen.

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